Ausbeutung pur

Ausbeutung pur

Am letzten Samstag unseres Kalkutta Aufenthaltes sollte es endlich klappen. Wir hatten großes Interesse die Brick Fields in Santoshpur ,einem Stadtteil in Kalkutta , zu sehen.Mit dem Impfteam von Howrah South Point in Absprache fuhren wir mit einem Taxi dorthin, nicht wissend, wie groß die Brick Fields sind . Das Taxi setze uns am Feld 22 ab .Eine Kinderschar umringte uns sofort. Etwas hilflos und verunsichert hofften wir auf das schnelle Eintreffen des Impfteams. Leider hatten wir vergessen die Telefonnummern auszutauschen. Nach ca 1 Stunde kamen wir dann endlich zusammen und die Impfaktion konnte beginnen.

In den Brick Fields werden unter unmenschlichen Bedingungen Ziegelsteine hergestellt. Die Arbeits-Saison für die Wanderarbeiter aus Bihar und Jschorkand beginnt im November dauert ungefähr bis Mai. Dies ist abhängig vom Wetter.

Es ist eine Knochen -Arbeit , welche die Menschen dort täglich unter unwürdigen , ghettoähnlichen Lebensbedingungen leisten müssen. Es gibt 32 Felder mit je einem großen Ofen und Schornstein in der Region um Santoshpur. Die Wanderarbeiter leben mit Ihren Familien während der ganzen Saison in ärmlichsten Hütten dort. Sie dürfen das Gelände nur mit Erlaubnis des Landlords verlassen. Selbst bei schwerer Krankheit !

Die Herstellung der Ziegel erfolgt in Handarbeit, indem lehmhaltige Erde in vorgefertigte Holzkästen gepresst und mit der entsprechenden Nummer des Feldes bedruckt werden. Nach dem Austrocknen werden die Steine in den Ofen gestapelt, in regelmäßigen Abständen, damit die heiße Luft aus dem Ofen die Ziegel trocknen kann. Nach dem Abkühlen werden die Ziegelsteine auf LKWs getragen und abtransportiert.

Eine Reihe entspricht 1000 Ziegelsteinen

Jede Familie muss 1000 Ziegel pro Tag herstellen. Da müssen die kleinen Kinderhände schon mit ran.Zeit für Schule oder gar spielen bleibt da nicht. Wenn die Familie diese Vorgabe erfüllt, bekommt sie 800 Rupien, dass entspricht ca 10 € pro Woche .

Eine medizinische Versorgung gibt es dort nicht. Howrah South Point -unser Projektpartner in Kalkutta, hat es geschafft, dass wenigstens ein Impfteam kostenfrei für die Landlords und natürlich die Patienten dort sein darf.

Samstag fahren 3 Schwestern unter der Führung von Djamila , beladen mit verschiedenen Impfstoffen ( Polio, MMR, Tetanus, Diphtherie ,Hepatitis B und mehr) , sowie Eisen-, Zinkpräperaten, Medikamente gegen Würmer, Vitamin A und dieses Mal mit Moskitonetzen und Keksen in die Brick Fields.

Die Familien sind sehr dankbar und warten schon auf das Impfteam. Geimpft werden alle Kinder , vom Neugeborenen, bis zum 18 Jährigen .Unter sehr einfachen Arbeitsbedingungen und eingeengt durch die wartenden Familien hat das Team eine perfekte , effiziente Arbeitsweise entwickelt. Alle Impflinge erhalten Impfkarten, wo die Impfungen eingetragen werden. Unser erster Impfling hatte seine erste Impfung 2010 notiert! Wir sahen total verlauste , erdig verschmutze Kinder. Einen 4 Wochen alten , von Scabies geplagten Säugling, den wir außer den Impfungen , leider nicht behandeln konnten.Dringlich baten wir die Mutter am Montag in die Ambulanz nach Santoshpur zu kommen , leider war es ihr nicht möglich. Auch einem schwer atmenden ,kranken Neugeborenes konnten wir nicht helfen. Die Eltern waren mit dem Kleinen verschwunden. Das lässt einen nicht unberührt!

Scabies – Säugling mit Krätze
….überstanden

Trotzdem sind wir froh, dass das Impfteam dort so großartiges leistet und damit wenigstens etwas zur Verhinderung von Infektionskrankheiten beitragen kann. Wir hatten auch den Eindruck, dass die Familien sehr dankbar dafür sind.

Erschüttert von den unmenschlichen Arbeit- und Lebensbedingungen fuhren wir davon mit der Gewissheit und dem unbedingten Wollen , das Wirken des Impfteams zu unterstützen.

Ghetto – die Hütten sind ca. 1,50 hoch
…..mit dem Rücken an der Wand

Ina und Bettina – noch aus Kalkutta


3 Gedanken zu „Ausbeutung pur

  1. 😢😢😢😔😢😢😢… mehr fällt mir nicht ein…
    Man neigt dazu, zu vergessen – welch Glück wir haben 😢
    Wir jammern ALLE – anstatt dankbar zu sein für unser Leben.
    Danke für die tollen Einblicke. Sehr beeindruckend.
    Mein höchster Respekt gilt Euch.

  2. Die Berichte zu lesen und die Fotos beruehren mich sehr. So viel Armut zu sehen und doch glueckliche , dankbare Menschen wahr zu nehmen ist bemerkenswert , obwohl sie jeden Grund haben traurig zu sein.
    Bin froh mit dem Tagebuch von Euch einen kleinen Einblick bekommen zu haben . Er geht nicht spurlos an mir vorbei . Hochachtung fuer Sie alle den Menschen zu helfen. Ich werde so gut ich kann ebenfalls helfen , damit den Menschen geholfen werden kann durch Sie Alle.

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