Ein Abschied voller Emotionen

Ein Abschied voller Emotionen

Noch nicht einmal 12 Stunden ist es her, dass wir uns auf den Heimflug machten. Inzwischen im ICE nach Leipzig versuchen wir unsere Seelen einzufangen und mitzunehmen nach Hause zu unseren Familien.

Die letzte Woche verging wie im Zeitraffer, gefüllt von schönen bis zu erschütternden Erlebnissen. Unsere Ambulanz war wieder sehr gut besucht. Jeder von uns sah in den 6 Wochen um die 1200 Patienten.Die Patienten standen ab 3 Uhr morgens , nicht immer konnten wir alle behandeln.Gerade in Santoshpur verspürten wir mitunter Unruhe unter den Patienten, denn alle wollten nicht umsonst gewartet haben. Wir sahen wieder schwer an Tuberkulose Erkrankte , Kinder mit Pneumonie (Lungenentzündung )und Verbrennungen . Am vorletzte Tag erlebten wir dann noch eine Grenzsituation: fast wäre uns eine Patientin in der Ambulanz verstorben.Durch die dolle Teamarbeit und vielleicht auch einige Schutzengel konnte dieses schreckliche Schicksal abgewandt werden. Undenkbar welche Probleme sich dadurch hätten ergeben können.

schwer erkrankt an Tuberkulose
Twins – dem einen geht es gut , dem anderen nicht ….
zuversichtlich ………

Die Erwartungen der Patienten an die German Doctor haben sich inzwischen teilweise geändert. Zunehmend kommen diese mit Befunden gefüllten Taschen und erwarten eine Zweitmeinung oder Übernahme der Behandlung , welche vom Krankenhaus vorgeschlagen wurde.Dies ist nicht unser Ansinnen und die Patienten werden enttäuscht an die stattlichen Krankenhäuser verwiesen, in welchen zunehmend die Behandlungskosten auch erstattet werden.Hier müssen wir sehr achtsam sein.

Gestern , am Freitag , waren wir wieder in Bojerhat, südlich , außerhalb von Kalkutta auf dem Lande. Dorthin kommen u.a. die Patienten, aus dem Flussdelta des Ganges , die Ashar , 2-3 h mit dem Zug angereist.In ihrer ärmlichen , ländlichen Region gibt es überhaupt keine medizinisch qualifizierte Versorgung .Es sind sehr dankbare Patienten , so auch ein älteres Ehepaar .Sie kamen an unserem letzten Arbeitstag noch einmal angereist , um sich mit einem Glas Honig zu bedanken.Es ist so berührend , wenn gerade die scheinbar alten Patienten weinend vor einem sitzen oder dankbar die Füße berühren, für die Selbstverständlichkeit einer würdevollen Behandlung.

Und dann war da auch noch die sehr herzliche und liebe volle Verabschiedung von unserem dollen Team-den Übersetzerinnen, Impf-und Dressingpersonl, der Registration , den Sozialhelfern und den Fahrern… Mit einem strahlenden und einem weinenden Auge fielen wir uns alle in die Arme…Thank you, thank you Doctor sangen sie und wir könnten es nur zurückgeben, auch wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit.

Verbunden sind wir auch weiterhin mit Kalkutta, perspektivisch wollen wir unsere Unterstützung auf das St Elisabeth Home , ein Mädcheninternat , richten. Dies besuchten wir vor 2 Wochen und sahen unter welchen erschreckend einfachen Bedingen dort über 70 Mädchen wohnen. Teilweise in fensterlosen Zimmern , vollgestellt mit 12 Doppelstockbetten , mit dem Freiheitsgrad eines schmalen Ganges ,das persönliche Hab und Gut hat Platz in einem Metallkoffer….Und trotzdem geht es Ihnen um ein vielfaches besser, als auf der Straße oder in den elterlichen Hütten zu Hause. Die Verbesserung der Lebensbedingungen in dem St Elisabeth Home wollen wir im kommenden Jahr zu unser nächstes Projekt machen. Ihr werdet von uns hören!!!

kein Raum für sich
für Hab und Gut
aufmerksame Mädchen

Der ICE schaukelt uns ruhig durch die satte grüne Landschaft, der Himmel ist trüb, aber die Luft klar.Erfüllt,berührt und gesund kehren wir gern heim zu unseren Familien und ab Montag auch zu unseren Patienten, die auch schon auf uns warten ….

Wir möchten uns ganz herzlich bedanken, bei allen , die uns mit lieben, ermutigenden Gedanken und Worten oder in unseren Praxen während unseres Einsatzes unterstützt haben. Es grüßen Euch herzlich

Ina und Bettina nicht mehr aus Kalkutta

Coming home


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